Spätherbst im Zoologischen Stadtgarten Karlsruhe

Es gibt sicherlich geeignetere Tage und vor allem Jahreszeiten um den Karlsruher Zoo zu besuchen als einen verregneten, kalten Spätnovembertag. Denn der Karlsruher Zoo ist nicht nur ein Tierpark, sondern gleichzeitig auch riesiger Garten mit verschiednen Themengärten und großen Wasserflächen. Im Sommer kann man hier im Blütenmeer schwelgen oder auf einem See mit einem Boot herumfahren. 

Im November sieht das leider ein bisschen anders aus. Und trotzdem hat der Zoologische Garten auch dann einen eigentümlichen Charme. Zumal man dann auch das Privileg besitzt, die meisten Flächen ganz für sich allein zu haben. Das trifft vor allem auf den Westteil des Zoos zu. Denn: Die Tiere findet man fast ausschließlich im Ostteil und in der Mitte des Zoologischen Stadtgartens Karlsruhe, während der Westteil den Gärten vorbehalten. Hier gibt es einen Heckengarten, einen Japangarten, einen Duft und Tastgarten, einen Saisongarten, einen Rosengarten und eine Platanenallee. Darüber hinaus wartet der Zoologische Stadtgarten auch mit einem "Garten Baden-Baden", einer Frühlingsblumenwiese, einem Waldstaudengarten, einem Seeufergarten und einem Pergolagarten auf. 

Jetzt, im spätherbstlichen Novembergrau, sehen diese Gärten leider nicht besonders einladend aus. Die Rosen sind bereits abgeblüht. Die meisten Wasservögel sind von den Seen in wärmere Unterschlupfe gezogen und die Boote sind längst aus dem Wasser geholt. 

Dafür findet man zu dieser Zeit hier etwas anderes: Ruhe. Vor allem der Japangarten strahlt dabei etwas beinahe mystisches aus. Schon seit mehr als 100 Jahren steht er an dieser Stelle und hat sich seitdem kontinuierlich weiterentwickelt. 

Weiterentwickeln tut sich auch der gesamte Zoologische Stadtgarten in Karlsruhe. Das sieht man auch bei meinem Besuch. Hier und da wird gebaut. 

Eine der neues Errungenschaften des Zoos ist das Exotenhaus, das zwischen Oktober 2012 und Juni 2015 aus einem ehemaligen Hallenbad - dem Tullabad entstanden ist - für insgesamt 21 Millionen Euro. 

Das ehemalige Tullabad war 1955 als damals modernstes deutsches Hallenbad in Betrieb genommen worden. 

 

Im heutigen Exotenhaus lebt Tulla über die Themen Ufer und Fluss weiter. Wo sich einst Badegäste tummelten, leben nun etwa 2.000 Tiere aus 100 unterschiedlichen Arten.

 

Das Exotenhaus erstreckt sich über mehrere Stockwerke, die verschiedene Lebensräume abbilden. Teile davon sind offen gestaltet, andere sind käfigartig gebaut. Es gibt einen Wasserfall, eine urwaldähnliche Bepflanzung und beinahe tropische Temperaturen und Luftfeuchtigkeit. 

Einige Affen, wie die Weißkopf-Sakis, und Vögel können sich frei im Haus bewegen. Als Besucher hat man hier die ganze Zeit das Gefühl, mittendrin zu sein - in einem bunten Dschungel aus Pflanzen, Wasser und Geräuschen. Durch die unterschiedlichen Stockwerke gewinnt man zudem immer wieder neue Perspektiven. 

Ein weiters Highlight im Exotenhaus ist die Fledermaushöhle, in der die Tiere frei umherfliegen und einen mit ihren Flügeln hin und wieder streifen. 

Neben den unterschiedlichen Tieren erhält man hier auch Informationen zu den tehmen Uferlandschaften und über die Geschichte des Exotenhauses in einer Ausstellung. Das Exotenhaus ist mit Abstand das innovativste und ansprechendste unter den verschiedenen Tierhäusern des Zoos. Auch wenn es hier eher die kleinen Tiere sind, die den Besuch spannend machen. 

Der Zoologische Stadtgarten verfügt auch über große Tiere. Elefanten zum Beispiel und Flusspferde, die im Dickhäuterhaus untergebracht sind. Das Elefantenareal wird gerade altersgerecht umgestaltet, um den Bedürfnissen alternder Elefanten entgegen zu kommen.

In der Nachbarschaft wohnen Raubtiere wie Löwen und Tiger im Raubtierhaus. von dem es nur eine Katzensprung bis zum Affenhaus ist. Die Tiergehege liegen allesamt - abgesehen vom Streichelzoo und Exotenhaus  - in unmittelbarer Nachbarschaft rund um den Ludwigsee. Man erreicht sie am schnellsten über den Eingang Süd in der Nähe des Karlsruher Bahnhofs. 

Die Afrikasavanne umfasst unter andere ein Griaffenhaus, Antilopen, Erdmännchen und Zebras, 

Ebenfalls recht nahe am Eingang Süd ist der Aufstieg zum Lauterberg. Einem Aussichtshügel im Zoo, von dem aus man einen tollen Blick auf Karlsruhe hat. 

Von der Afrikasavanne aus kommt man auf dem Weg zum Lauterberg vorbei an der Bergwelt des Himalajas mit Schneeleoparden und roten Pandas. 

Auf dem Weg hinauf kommt man vorbei an der Eulenanlage. Der Weg selbst ist als Vogellehrpfad angelegt. Steigt man den Hügel auf der anderen Seite hinab gelangt man direkt in den Bereich des Zoologischen Stadtgartens Karlsruhe, der sich mit dem Thema Wasser auseinandersetzt: mit Ottern, Seelöwen und Eisbären. 

Speziell für Kinder bietet der Zoo einen großflächigen Spielbereich an, der sich in der Nähe des Exotenhauses befindet und einen großen Streichelzoo mit Wollschweinen, Ziegen, Alpakas, Kaninchen, Meerschweinchen und Hühnern. Neben dem Exotenhaus war dieser Bereich mein Favorit. Der Streichelzoo kann zum Teil sogar begangen werden und ich habe dort Freundschaft mit einer sehr anhänglichen Ziege geschlossen. 

Mir hat der Zoobesuch in Karlsruhe sehr gut gefallen. Ich komme auf jeden Fall wieder, dann aber im Frühling oder Sommer um auch die Schönheiten des Stadtgartens besser genießen zu können. Zudem bin ich gespannt, was der noch recht neue Zoodirektor Dr. Matthias Reinschmidt, der zuvor Leiter des Loro Parques auf Teneriffa war (meinem absoluten Lieblingszoo), aus dem Zoologischen Stadtgarten noch herausholen wird. Mit der Adoption von Rosalinda - dem Papagei aus Pipi Langstrumpf - hat er zumindest schon einmal überregionales Interesse am Zoo hervorgerufen. 

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